Handlungsfähig bleiben in Corona-Virus Zeiten

Bleibt zu Hause!

Die Worte des Bundesrates an der letzten Pressekonferenz waren klar: die momentane Situation in der Schweiz wird zur „ausserordentlichen Lage“ erklärt, bis zum 19.April gilt in der Schweiz ein Teil-Lockdown. Vor allem die besonders gefährdeten Menschen mit einer bestehenden Vorerkrankung (z.B. Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, chronische Atemwegserkrankungen) oder Personen ab 65 sollen zu Hause bleiben, um sich zu schützen.

 

Dies mag auf den ersten Blick harmlos klingen. Nichts desto trotz bleibt für viele ein Loch zurück, nämlich das Fehlen einer normalen Tagesstruktur und von sozialen Kontakten. Oft werden Freizeitaktivitäten in Gruppen ausgeführt und soziale Kontakte beim Jassen am Stammtisch oder beim Klatsch&Tratsch mit den Freundinnen im Café gepflegt.

 

In der Ergotherapie werden folgende Grundsätze vertreten:

  • Der Mensch strebt danach sich sinnvoll zu betätigen
  • Betätigung hat eine direkte positive Auswirkung auf das psychische Wohlbefinden
  • Pflegen von sozialen Kontakten trägt zur psychischen Gesundheit bei

 

Im Umkehrschluss bedeutet dies logischerweise, dass das Fehlen von sinnvollen Aktivitäten sowie eingeschränkte soziale Teilhabe die psychische Gesundheit negativ beeinflussen kann.

Wie kann man aber diese Grundsätze umsetzen, wenn man nicht mehr aus dem Hause gehen sollte und soziale Kontakte sich auf Zuwinken beschränken?

 

 

Zurück zum Telefon

In der heutigen Zeit ist zum Glück Kommunikation über diverse Kanäle und mit elektronischen Geräten möglich. Auch viele Menschen über 65 wissen, wie sie eine WhatsApp Nachricht schreiben oder auf Facebook die Fotos von Verwandten anschauen können. Ich persönlich schätze, wie seit langem nicht mehr, das gut alte Telefonieren. Man hat wieder Zeit, stundenlange Gespräche zu führen, hört dem Gegenüber zu und nimmt wahr, wenn das Gegenüber lächelt beim Erzählen, selbst wenn man es nicht sieht. Wenn man sich trotzdem mal wieder in die Augen schauen möchte, gibt es natürlich auch die Möglichkeit zu Skypen oder einen Videoanruf zu tätigen.

 

Balkon Flashmob

Was aber machen Menschen, die allein zu Hause sind und kein Smartphone besitzen? Gehören Sie zu den Glücklichen die einen Balkon besitzen? Vom Balkon aus hat man die Gelegenheit, Gespräche mit den Nachbarn zu führen, ohne die Distanzwahrung zu gefährden.

 

Oder machen Sie es wie diese Italiener/innen, die sich in der Pandemie Krise mit Hilfe von Balkon Konzerten Mut zusprechen (YouTube-Link: https://www.youtube.com/watch?v=pfl5RQ4D3HY ).

 

 

Fitnessstudios sind geschlossen, die Wandergruppen abgesagt, im Bereich Bewegung sind wir momentan definitiv eingeschränkt. Sogar Spazierengehen wird, vor allem in den urbanen Gebieten, zu einer Herausforderung. Warum nicht einmal den Fokus mehr auf das legen, was möglich ist?

 

Fordern Sie ihr Gehirn heraus

Im Gegensatz zum Lauftraining ist das Gehirntraining keinen räumlichen Grenzen ausgesetzt.

Neben der körperlichen Fitness wird die geistige Fitness immer mal wieder gerne vergessen, obwohl sich diese genauso trainieren lässt wie unsere Muskeln. Beim Training unseres Gehirns nimmt die Anzahl der Vernetzungen zu und je besser und regelmässiger wir es trainieren, desto besser funktioniert es. Das Gehirn hat eine enorme Speicherkapazität und liebt Abwechslung.

 

Werden Sie Kreativ

Warum also nicht die Zeit zu Hause nutzen, um eine neue Aktivität zu erlernen?

 

Vielleicht wollten Sie schon immer mal Portugiesisch lernen, um mit der Putzfrau einige Wörter wechseln zu können. Oder ihr verstaubtes Englisch wieder aufbessern, um beim nächsten Städteurlaub dem Partner imponieren zu können. Auf dem Smartphone oder iPad gibt es beispielsweise die Möglichkeit gratis eine Sprach App herunterzuladen (z.B. https://www.50languages.com/sprachen-lernen-kostenlos ). Vielleicht ist dies der Zeitpunkt, um ein auf die lange Bank geschobenes Projekt anzugehen. Wollten sie schon immer ein Lied auswendig singen lernen, endlich einen Brief an eine Bekannte schreiben oder wieder mal den Pinsel in die Hand nehmen? Werden Sie jetzt aktiv!

 

 

Hirnleistungstraining

Wenn Sie ihre geistige Fitness auf konventionelle Art trainieren möchten gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. In Zeitschriften findet man regelmässig Kreuzworträtsel, Sudoku und andere Rätselaufgaben.  Auf der Internet Seite http://www.brain-fit.com/index.html findet man zudem zahlreiche kognitive Übungen. Wenn sie ein Handy besitzen gibt es auch die Möglichkeit ein App herunterzuladen, z.B. Lumosity (https://www.lumosity.com/de/ ). Der Vorteil einer solchen Methode ist, dass man täglich erinnert werden kann die Übungen zu absolvieren und dass man seine Lernkurve beobachten kann. Für Menschen mit Multipler Sklerose gibt es speziell das MS Kognition App (https://www.dmsg.de/ms-kognition/kognitive_uebungen.html ), wo sie verschieden Spiele zu den Bereichen Aufmerksamkeit, Gedächtnis und exekutive Funktionen finden.

 

Spielen

Auch auf die spielerische Art können kognitive Funktionen aktiviert und trainiert werden. Sind sie zu zweit oder sogar mehrere Personen im Haushalt gibt es unendliche Möglichkeiten: von Spielen bei denen sie nur Papier und Stift benötigen (Hangman, Schiffe versenken) über Memory und typische Karten- oder Würfelspiele (Uno, Qwixx) bis hin zum kognitiv herausfordernden Denksport Schach oder Gesellschaftspielen wie ABC SRF3 oder Time’s up. Es gibt aber auch Solo-Spiele, bei denen man ganz allein knobeln kann, so z.B. beim beim Rush Hour. Bei diesem Spiel wird das strategische Denken trainiert, das Ziel dabei ist sich mit dem roten Auto einen Weg zur Ausfahrt bahnen. Dieses Spiel gibt es übrigens auch als App.

 

 

Achtsamkeit und Besinnung

Wenn dann der Kopf irgendwann raucht ist es Zeit, sich auch einfach mal zu besinnen auf das, was einem wirklich wichtig ist. Überlegen Sie sich, was Ihnen guttut und tun Sie sich etwas Gutes. Ich selbst versuche kleine Dinge wieder mehr schätzen zu lernen, z.B. eine Tasse heissen Tee achtsam zu geniessen oder bei offenem Fenster dem Vogelgezwitscher zu lauschen.

 

In diesem Sinne –bleiben sie aktiv, bleiben sie in Kontakt, bleiben sie gesund.